Osmoseschaden an Segelyacht – Gewährleistung

Garantiert der Verkäufer einer Segelyacht, dass das Boot osmosefrei sei, so muss er das Boot zurücknehmen und dem Käufer den Kaufpreis erstatten, wenn sich später herausstellt, dass das Boot einen von der Zusage abweichenden Osmoseschaden hat. Die Garantie der «Osmosefreiheit» beziehe sich nicht lediglich auf das bloße Fehlen äußerer Merkmale eines Osmoseschadens oder einen normalen, altersgemäß osmosegeschädigten Zustand. Vielmehr werde hierdurch eine über den Normalzustand des Bootes hinausgehende Schadensfreiheit zugesichert, so das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht im Urteil vom 26.05.2011, Az. 11 U 135/10.

Das OLG Schleswig hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, wann eine Segelyacht einen als Mangel zu bewertenden Osmoseschaden aufweist und wie die Zusage der „Osmosefreiheit“ eines Verkäufers zu verstehen ist. (Osmose bedeutet hier Aufnahme von Wasser durch einen GFK- Schiffsrumpf)

In dem Rechtsstreit ging es um den Verkauf eines GFK-Bootes (GFK= glasfaserverstärkter Kunststoff), der Segelyacht „Minerva“, Baujahr 1979/1980 im Jahr 2006. In dem Kaufvertrag haben die Verkäufer die „Osmosefreiheit“ des Bootes schriftlich garantiert. Während der Verkaufsverhandlungen hatten sie mehrfach geäußert, das Unterwasserschiff selbst bis auf das Laminat abgeschliffen zu haben; das Schiff könne aufgrund der vorgenommenen Schutzbehandlung nie Osmose bekommen. Zwei Jahre später nahm der Käufer Verformungen am Unterwasserschiff wahr und verlangte von den Verkäufern die Rücknahme der Segelyacht und Rückzahlung des Kaufpreises.

Das OLG Schleswig gab dem Käufer Recht – ebenso wie bereits das Landgericht Kiel in der ersten Instanz.

Die Garantieerklärung des Verkäufers sei so zu verstehen, dass er „nicht nur das bloße Fehlen von äußeren Merkmalen der Osmose (Bläschenbildung) und einen normalen, altersgemäß osmosegeschädigten Zustand der Segelyacht zugesagt hatte, sondern darüber hinaus einen über den Normalzustand eines 30-jährigen Bootes hinausgehenden Zustand ohne Osmoseschaden“. Der Zustand des Bootes entsprach zum Zeitpunkt des Verkaufs also nicht der Garantieerklärung. Die Osmoseschäden wurden durch einen Sachverständigen festgestellt. Die gemessene Feuchtigkeit im Laminat von durchschnittlich 40 Prozent lag weit über dem Wert, der noch keinen schadhaften Osmosebefall darstellte.

Fazit: Vorsicht!. Wenn Osmosefreiheit vereinbart ist, bedeutet dies ein hohes Haftungsrisiko.