Haftung des Skippers für Unfall bei Anlegemanöver

Führt ein Skipper ein Anlegemanöver fehlerhaft durch, haftet er für die dabei entstandenen Verletzungen eines Crewmitglieds – aber auch nur dann, entschied das Oberlandesgerichts Hamm mit Urteil vom 25.11.2011, Az. I-9 U 100/10.

Der Kläger – ein Crewmitglied – stürzte bei einem Segeltörn in der Karibik als er bei Dunkelheit von dem Beiboot (Schlauchboot mit Außenbordmotor) über dessen Bug auf die am Heck der Segelyacht befindliche Badeplattform übersteigen wollte. Dabei erlitt er eine schwere Schulterverletzung und wollte vom beklagten Skipper Schadensersatz und Schmerzensgeld haben.

Die Klage blieb in allen Instanzen ohne Erfolg. Da ein Fehler beim Anlegemanöver eines Beibootes an die an eine Ankerboje festgemachte Segelyacht vom Gericht nicht festgestellt wurde, blieb der Unfall für den Beklagten aber ohne Haftungsfolgen. Ein fehlerhaftes Anlegemanöver, für das der Beklagte bei dem gemeinsamen Segeltörn gegenüber dem Crewmitglied aus unerlaubter Handlung haften würde, konnte das sachverständig beratene OLG Hamm nicht feststellen. Die von dem beklagten Skipper gewählte Art des Anlegens des Beibootes (mit dem Bug im rechten Winkel zur Badeplattform) sei zulässig, risikoarm, wegen der fehlenden Achterleine sinnvoll, allen Crewmitgliedern körperlich zumutbar und geläufig gewesen. Wetter und Wellen hätten keine Probleme bereitet. Auch der Umstand, dass der Beklagte den Außenbordmotor abstellte, sei bei dem angeleinten Boot nicht fehlerhaft. Der Beklagte sei auch nicht verpflichtet gewesen, eine zusätzliche Achterleine zu beschaffen und sie beim Anlegen zu verwenden.

Fazit: Eine Haftung des Skippers kommt nur bei einem fehlerhaften Anlegemanöver in Betracht.