FAQ Arbeitsrecht: Das Arbeitszeugnis

  1. Was ist ein Zeugnis/ Zwischenzeugnis?
  2. Was ist ein „einfaches“ Zeugnis?
  3. Was ist ein „qualifiziertes“ Zeugnis?
  4. Welches Zeugnis kann ich verlangen?
  5. Wer kann die Erteilung eines Zeugnisses verlangen?
  6. Haben Seeleute einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
  7. Haben Auszubildende auch einen Zeugnisanspruch?
  8. Habe ich auch bei kurzer Anstellung Anspruch auf ein komplettes Zeugnis?
  9. Mein Arbeitgeber will mir kein Zeugnis ausstellen. Was kann ich tun?
  10. Wann kann ich ein Zwischenzeugnis verlangen?
  11. Sind Zeugnisse immer auf Firmenbriefbogen zu schreiben?
  12. Reicht es auch, wenn ich ein Zeugnis per E-Mail erhalte?
  13. Muss ein Zeugnis eine Dankes-und-Wünsche-Formel enthalten?
  14. Wie muss der Arbeitgeber meine Leistungen bewerten?
  15. Darf das Arbeitszeugnis vom Zwischenzeugnis abweichen?
  16. Wer muss das Zeugnis unterschreiben?
  17. Darf ein Zeugnis gefaltet werden?
  18. Ist mein Arbeitgeber verpflichtet, mir das Zeugnis zu schicken oder muss ich es selbst abholen?
  19. Kann ich mir ein Zeugnis neu ausstellen lassen, wenn es beschädigt wurde oder ich es verloren habe?
  20. Mein Zeugnis ist unrichtig. Was kann ich tun?
  21. Mein Zeugnis ist nicht so gut ausgefallen. Kann ich es selbst ändern?
  22. Wie lange muss ich auf mein Zeugnis warten?
  23. Welche Fristen sollten ich beachten?

Was ist ein Zeugnis/ Zwischenzeugnis?

Das „normale“ Zeugnis wird am Ende eines Arbeitsverhältnisses ausgestellt. Ein Zwischenzeugnis wird bereits während des Arbeitsverhältnisses ausgestellt.

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Was ist ein „einfaches“ Zeugnis?

Das „einfache“ Zeugnis enthält lediglich Angaben zur Dauer der Beschäftigung und eine Tätigkeitsbeschreibung.

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Was ist ein „qualifiziertes“ Zeugnis?

Das „qualifiziertes“ Zeugnis beschreibt nicht nur Dauer der Beschäftigung und eine Tätigkeitsbeschreibung, sondern auch eine Beurteilung der Führung und Leistung des Arbeitnehmers.

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Welches Zeugnis kann ich verlangen?

Als Arbeitnehmern können Sie von Ihrem Arbeitgeber nach Ihrer Wahl ein einfaches oder ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen.

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Wer kann die Erteilung eines Zeugnisses verlangen?

Arbeitnehmer, arbeitnehmerähnliche Personen (z.B. Heimarbeiter, Heimgewerbetreibende, Handelsvertreter mit geringem Einkommen) haben Anspruch Zeugnisanspruch aus § 109 GewO (Gewerbeordnung). Hierzu zählen

  • unbefristet beschäftige Arbeitnehmer
  • befristet beschäftige Arbeitnehmer
  • Mitarbeiter im Probearbeitsverhältnis
  • Teilzeitkräfte
  • Praktikanten
  • leitende Angestellte/ Prokuristen

Der Arbeitgeber muss das Zeugnis nur ausstellen, wenn der Arbeitnehmer ein Arbeitszeugnis verlangt.

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Haben Seeleute einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Ja, Seeleute haben einen besonderen Zeugnisanspruch aus § 19 SeemannsG (Seemannsgesetz). Der Kapitän oder ein von ihm bevollmächtigter Schiffsoffizier muss dem Besatzungsmitglied das Zeugnis vor der Abmusterung ausstellen. Es muss über die Art und Dauer des geleisteten Schiffsdienstes Auskunft geben. Die Unterschrift des Kapitäns oder des bevollmächtigten Schiffsoffiziers ist vom Seemannsamt zu beglaubigen.“

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Haben Auszubildende auch einen Zeugnisanspruch?

Ja. Der Zeugnisanspruch ergibt sich aus § 16 BBiG (Berufsbildungsgesetz). Der Ausbilder muss dem Auszubildenden ein Zeugnis ausstellen. Das Zeugnis muss vom Ausbilder unterschrieben sein und muss Angaben enthalten über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der Auszubildenden enthalten. Auf Verlangen des Auszubildenden sind auch Angaben über Verhalten und Leistung aufzunehmen.“

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Habe ich auch bei kurzer Anstellung Anspruch auf ein komplettes Zeugnis?

Ja, auch bei einer kurzen Anstellung kann der Arbeitnehmer ein Arbeitszeugnis verlangen. Der Arbeitnehmer hat auch bei kurzer Beschäftigungsdauer (6 Wochen) einen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis (Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 30.03.2001, Az.4 Sa 1485/00).

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Mein Arbeitgeber will mir kein Zeugnis ausstellen. Was kann ich tun?

Verweigert der Arbeitgeber trotz Aufforderung die Zeugniserteilung, kann der Arbeitnehmer ihn notfalls vor dem Arbeitsgericht auf Erteilung des Zeugnisses verklagen. Alle abhängig Beschädigten haben einen Anspruch auf Erteilung eines Zeugnisses.

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Wann kann ich ein Zwischenzeugnis verlangen?

Der Arbeitnehmer kann jederzeit ein Zwischenzeugnis verlangen, wenn er ein berechtigtes Interesse hat. Dies ist der Fall, wenn

  • wenn der Arbeitgeber eine Kündigung in Aussicht gestellt hat
  • Versetzung
  • Beförderung
  • Wechsel des Vorgesetzten
  • Betriebsveräußerung/ Betriebsübergang

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Sind Zeugnisse immer auf Firmenbriefbogen zu schreiben?

Ja, Arbeitszeugnisse müssen mit einem Firmenbriefbogen (Geschäftspapier) ausgestellt werden, wenn der Arbeitgeber üblicherweise Firmenpapier für sonstige Geschäftsvorgänge verwendet (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 03.03.1993, Az. 5 AZR 182/92).

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Reicht es auch, wenn ich ein Zeugnis per E-Mail erhalte?

Nein, Zeugnisse sind Dokumente und müssen eine Original-Unterschrift tragen. Die Erteilung in elektronischer Form ist gem. § 109 Absatz 3 GewO ausgeschlossen.

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Muss ein Zeugnis eine Dankes-und-Wünsche-Formel enthalten?

Am Ende der Zeugnisse finden sich üblicher Formeln wie „“Wir bedauern ihr Ausscheiden und danken ihr für die stets gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir Frau XY alles Gute und weiterhin viel Erfolg.“ Nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts (Urteil vom 20.02.2001, Az 9 AZR 44/00) besteht kein Anspruch auf eine solche Dankes-und-Wünsche-Formel. Nicht alle Gerichte folgen dieser Ansicht: Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (Urteil vom 03.11.2010, Az.: 12 Sa 974/10) und das Landesarbeitsgericht Hamm (Urteil vom 08.09.2011, Az. 8 Sa 509/11) haben den Anspruch auf eine Dankes-und-Wünsche-Formel bejaht. Aber auch wenn kein Anspruch darauf besteht, sollte der Arbeitnehmer versuchen, seinen Arbeitgeber zu einer Dankes-und-Wünsche-Formel zu bewegen.

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Wie muss der Arbeitgeber meine Leistungen bewerten?

Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein wahres und wohlwollendes Arbeitszeugnis, das sein berufliches Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschwert. Dies bedeutet aber nicht, dass schwache Leistungen als gut bewertet werden müssen. Die Leistungen müssen (selbstverständlich) wahrheitsgemäß bewertet werden. Einen Anspruch auf ein „gutes“ Zeugnis gibt es deshalb nicht. Sehr gute oder gute Leistungen dürfen aber auch nicht nur als „mittelmäßig“ oder „ausreichend“ bewertet werden.

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Darf das Arbeitszeugnis vom Zwischenzeugnis abweichen?

Hat der Arbeitgeber zuvor ein Zwischenzeugnis erteilt, ist er regelmäßig an den Inhalt des Zwischenzeugnisses gebunden, wenn er ein Endzeugnis erteilt. Eine Abweichung ist nur dann möglich, wenn sich in der Zwischenzeit erhebliche Änderungen der Leistung ergeben haben, so das Bundesarbeitsgericht (Urteil vom 16.10.2007, Az. 9 AZR 248/07).

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Wer muss das Zeugnis unterschreiben?

Das Arbeitszeugnis muss vom Arbeitgeber selbst, oder durch einen von ihm beauftragten Vertreter unterschrieben sein. Bei Behörden ist dies der Dienststellenleiter oder dessen Vertreter. Die Position des Vertreters muss im Zeugnis erkennbar sein, so das Bundesarbeitsgericht (Urteil vom 04.10.2005, Az. 9 AZR 507/04).

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Darf ein Zeugnis gefaltet werden?

Ja, der Arbeitgeber darf das Arbeitszeugnis falten und in einen Briefumschlag üblicher Größe stecken. Das Originalzeugnis muss aber kopierfähig sein und die Knicke dürfen nicht auf den Kopien abzeichnen, z.B. durch Schwärzungen, so das Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21. September 1999, Az. 9 AZR 893/98.

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Ist mein Arbeitgeber verpflichtet, mir das Zeugnis zu schicken oder muss ich es selbst abholen?

Nein, Zeugnisse sind eine sog. Holschuld. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet es zu zuschicken, sondern der Arbeitnehmer muss es sich abholen. Nur in Ausnahmefällen kann eine Zusendung per Post verlangt werden, z.B. wenn der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz inzwischen an einen weit entfernten Ort verlegt hat (Arbeitsgericht Wetzlar, Beschluss vom 21. Juli 1971, Az. Ca 3/71), weil dies mit unverhältnismäßig hohen Kosten oder besonderen Mühen verbunden ist.

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Kann ich mir ein Zeugnis neu ausstellen lassen, wenn es beschädigt wurde oder ich es verloren habe?

Wenn das Zeugnis beschädigt wurde oder geht es verloren, ist der Arbeitgeber verpflichtet, auf Kosten des ehemaligen Arbeitnehmers ein neues Zeugnis zu erteilen. Dies ergebe sich aus einer nachvertraglichen Nebenpflicht des Arbeitsvertrages (Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 07.02.2011, Az. 16 Sa 1195/10; Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 15.Juli 1986, Az. 13 Sa 2289/85; Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 17.12.1998, Az. 4 Sa 1337/98). Es kommt hierbei nicht darauf an, ob der Verlust oder die Beschädigung des Originalzeugnisses von dem Arbeitnehmer zu vertreten ist. Dem Arbeitgeber kann regelmäßig die Ersatzausstellung zugemutet werden.

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Mein Zeugnis ist unrichtig. Was kann ich tun?

Wenn Ihre Leistungen im Arbeitszeugnis falsch bewertet wurden, haben Sie einen gerichtlichen Zeugnisberichtigungsanspruch. Möchte der Arbeitgeber Sie unterdurchschnittlich bewerten, muss er dies beweisen. Für überdurchschnittliche Leistungen muss der Arbeitgeber entsprechende Tatsachen darlegen und beweisen.

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Mein Zeugnis ist nicht so gut ausgefallen. Kann ich es selbst ändern?

Sie dürften Ihr Zeugnis nicht ändern. Eine eigenmächtige Änderung des Arbeitszeugnisses ist eine strafbare Urkundenfälschung (§ 267 StGB).

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Wie lange muss ich auf mein Zeugnis warten?

Eine feste Frist gibt es nicht. Allerdings sind 2 Wochen angemessene Frist für den Arbeitgeber.

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Welche Fristen sollten ich beachten?

Möglicherweise bestehen in Ihrem Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag Ausschlussfristen. Sind diese abgelaufen, können Sie Ihren Zeugnisanspruch verlieren.

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